Also available in:
Die Federal Trade Commission (FTC) hat klare Worte gefunden: Wer bis zum 19. Mai 2026 nicht compliant ist, riskiert empfindliche Strafen. Das „Take It Down Act“ (TIDA) zwingt betroffene Plattformen zu einem schnellen und effektiven Umgang mit nicht-einvernehmlich verbreiteten intimen Aufnahmen – einschließlich KI-generierter Deepfakes.
Corey D. Silverstein, einer der renommiertesten Anwälte der US-Erotikbranche und Gründer von Silverstein Legal, hat in seinem Blogbeitrag vom 11. Mai 2026 eindringlich darauf hingewiesen: Das Gesetz trifft nicht nur Big Tech. Viele kleinere und mittlere Adult-Plattformen, Creator-Sites und Cam-Portale fallen ebenfalls unter die Regelung.
Wen genau betrifft das Gesetz?
„Covered Platforms“ sind Websites, Apps und Online-Dienste, die der Öffentlichkeit zugänglich sind und entweder primär User-Generated Content hosten oder regelmäßig intime Inhalte veröffentlichen, kuratieren oder verfügbar machen.
Für die Branche bedeutet das: Die meisten Fansites, OnlyFans-ähnlichen Creator-Plattformen, Clipsites, Foren und Cam-Portale mit User-Uploads, Chats, Livestreams oder Kommentarfunktionen sind betroffen. Reine Pre-Curated-Premium-Tubes ohne nennenswerte User-Interaktion könnten unter Umständen herausfallen – sobald jedoch Uploads, Messaging oder interaktive Features hinzukommen, greift das Gesetz in der Regel.
Die konkreten Pflichten ab dem 19. Mai 2026
Plattformen müssen:
- Einen klaren Meldeweg für nicht-einvernehmliche intime Inhalte einrichten (auch für Nicht-Nutzer der Plattform).
- Eine verständliche Erklärung des Verfahrens bereitstellen (in „plain language“).
- Innerhalb von 48 Stunden nach einer validen Meldung den Inhalt entfernen.
- „Reasonable efforts“ unternehmen, um identische Kopien (Duplicates) plattformweit zu finden und zu löschen.
- Einen nachvollziehbaren, dokumentierten Prozess etablieren.
Besonders relevant für Adult-Plattformen: Das Gesetz behandelt AI-generierte oder veränderte intime Bilder genauso wie echte Aufnahmen.
Auswirkungen auf Betreiber von Fansites und Cam-Portalen
Für Betreiber bedeutet TIDA vor allem operativen Mehraufwand. Eine reine Policy auf der Website reicht nicht aus – es braucht funktionierende Workflows, geschultes Moderationsteam und Tools zur Duplicate-Erkennung.
Corey Silverstein betont in seinem Artikel: „For platforms that host user-generated content, creator content, private messaging, image or video uploads, live chat, AI-generated media, or adult content, this is not just a policy issue. It is an operational issue.“
Konkrete To-dos:
- Anpassung von AGBs, Acceptable Use Policies und Community Guidelines.
- Einrichtung eines dedizierten Takedown-Formulars.
- Sichtbare Hinweise dort, wo intime Inhalte erscheinen (Upload-Bereich, Livestreams, Profile, Chats).
- Interne Eskalationsprozesse und Dokumentation.
- Schulung des Teams.
Nicht-Compliance kann teuer werden: Die FTC behandelt Verstöße als „unfair or deceptive acts“ mit Bußgeldern von bis zu ca. 53.000 USD pro Verstoß. Silverstein rät dringend, die eigene Plattform jetzt auf Coverage prüfen zu lassen und Compliance-Pläne umzusetzen. Viele kleinere Anbieter unterschätzen das Risiko noch, weil die FTC zunächst große Tech-Firmen angeschrieben hat.
Positive Seite: Wer in gutem Glauben auf eine valide Meldung hin handelt (Good-Samariter-Schutz), genießt weitgehenden Haftungsschutz vor Gegenansprüchen.
Was bedeutet das für die Darstellerinnen?
Für Performerinnen und Content-Creatorinnen bringt das Gesetz deutliche Verbesserungen beim Selbstschutz. Revenge-Porn, unautorisierte Leaks und vor allem die explosionsartig zunehmenden KI-Deepfakes können schneller und effektiver bekämpft werden – auch über Plattformgrenzen hinweg durch die Duplicate-Removal-Pflicht.
Vorteile:
- Schnellere Entfernung (48 Stunden) reduziert den Schaden erheblich.
- Meldemöglichkeit auch für Nicht-Nutzer der jeweiligen Plattform.
- Plattformen sind stärker in der Verantwortung, proaktiv zu handeln.
Risiken und Hinweise für Darstellerinnen:
- Missbrauchspotenzial durch falsche Meldungen (obwohl „good faith belief“ gefordert ist).
- Bei eigenen Plattformen oder Co-Management von Fansites tragen auch Creatorinnen Mitverantwortung für Compliance.
- Wichtig: Immer Beweise sichern (Screenshots, Logs, Zeitstempel) und bei schweren Fällen zusätzlich Strafanzeige stellen (das Gesetz enthält auch strafrechtliche Regelungen gegen die Verbreiter selbst).
Silverstein und andere Branchenexperten raten Performerinnen, bei Verdacht auf nicht-einvernehmliche Verbreitung direkt die Meldewege der Plattformen zu nutzen und bei Bedarf rechtlichen Rat einzuholen.
Fazit und Handlungsempfehlung
Das Take It Down Act markiert einen weiteren Schritt hin zu mehr Verantwortung im Umgang mit intimen Inhalten. Für Betreiber von Fansites und Cam-Portalen ist jetzt die Zeit für eine ernsthafte Compliance-Prüfung. Wer jetzt handelt, vermeidet nicht nur teure Bußgelder, sondern positioniert sich als verantwortungsvoller Anbieter – ein Vorteil in Zeiten zunehmender Regulierung.
Corey D. Silverstein schließt seinen Beitrag mit einem klaren Appell: Plattformen, die User-Content, Creator-Content oder AI-Material hosten, sollten ihre Compliance-Haltung sofort überprüfen. Silverstein Legal bietet hierfür gezielte Beratung an – von Coverage-Analyse über Policy-Updates bis hin zu operativen Workflows.
Die Branche ist gut beraten, diese Deadline ernst zu nehmen. Der Schutz vor nicht-einvernehmlicher Verbreitung intimer Bilder ist ein berechtigtes Anliegen – gleichzeitig muss die Umsetzung praktikabel und rechtssicher für seriöse Anbieter bleiben.

