Ofcom leitet Untersuchungsverfahren gegen Aylo wegen Altersverifikation auf Pornhub ein

Ofcom AVS Pornhub

Also available in: English (Englisch)

Die britische Medienaufsicht Ofcom hat ein formelles Untersuchungsverfahren gegen Aylo, den Betreiber der Plattform Pornhub, eingeleitet. Ziel ist die Prüfung, ob das Unternehmen seinen Pflichten nach dem Online Safety Act nachkommt, Kinder vor dem Zugang zu pornografischen Inhalten zu schützen.

Nach Angaben der Behörde müssen Anbieter pornografischer Angebote „hochwirksame“ Altersprüfungen einsetzen, um festzustellen, ob Nutzer über 18 Jahre alt sind. Ofcom äußert Bedenken, dass Aylo bei der Einführung eines neuen Verfahrens möglicherweise nicht ausreichend geprüft und getestet habe. Im Mai 2026 habe Pornhub für einen Teil der Nutzer ein System eingeführt, das auf Signale eines Drittanbieters – in diesem Fall Apple – zurückgreift. Diese Signale sollen darauf hindeuten, dass britische Nutzer die Altersprüfungen von Apple absolviert haben.

Ofcom betont, dass nach dem Online Safety Act die Verantwortung für die Wirksamkeit der Altersprüfung ausschließlich beim Diensteanbieter liege – unabhängig davon, in welchem Stadium die Prüfung erfolge. Zudem seien Anbieter verpflichtet, vor wesentlichen Änderungen an Design oder Betrieb ihres Dienstes eine geeignete und ausreichende Bewertung des Zugangs durch Kinder vorzunehmen.

Die Untersuchung soll klären, ob Aylo gegen die Verpflichtung verstoßen hat, hochwirksame Altersprüfungen einzusetzen und eine ausreichende Zugangsbewertung für Kinder durchzuführen. Ofcom will prüfen, wie Aylo das Verfahren umgesetzt und ob das Unternehmen die notwendige Sorgfalt vor dem Einsatz angewandt hat. Explizit ausgenommen ist die Bewertung der Funktionsweise der Apple-Altersprüfungen selbst.

George Lusty, Ofcom-Direktor für Durchsetzung, erklärte: „Online-Altersprüfungen sind ein entscheidender Schutz, um zu verhindern, dass Kinder mit ungeeignetem oder schädlichem Material, einschließlich Pornografie, in Kontakt kommen. Wir erwarten von Technologieunternehmen, dass sie die Altersprüfungen als hochwirksam absichern, bevor sie diese einführen. Alles andere könnte Kinder einem Risiko aussetzen.“

Das Verfahren folgt den im Online Safety Act vorgesehenen Schritten: Zunächst sammelt und analysiert Ofcom Beweise. Kommt die Behörde zu dem vorläufigen Schluss, dass ein Verstoß vorliegt, erhält das Unternehmen Gelegenheit zur Stellungnahme, bevor eine endgültige Entscheidung ergeht. Bei festgestellten Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 18 Millionen Pfund oder 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes – je nachdem, welcher Betrag höher ist.

Unabhängig von den konkreten Vorwürfen gegen Aylo wirft der Fall erneut grundsätzliche Fragen zur Praxistauglichkeit solcher Altersverifikationssysteme auf. Auch „hochwirksame“ Prüfungen lassen sich von technisch versierten Jugendlichen vergleichsweise unkompliziert umgehen – etwa durch den Einsatz von VPNs, die den Standort verschleiern und den Zugriff auf unregulierte oder ausländische Angebote ermöglichen. Ob die aufwendigen und datenschutzsensiblen Mechanismen damit tatsächlich den intendierten Schutz bewirken oder eher den Verkehr zu weniger kontrollierten Angeboten lenken, bleibt eine offene und in der Praxis schwer zu beantwortende Frage.

×